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Schussfahrt in ein Wintermärchen STUBAITAL

Skifahrer im Stubaital

150 Kilometer Superpisten! Acht Monate Schneegarantie! Ein Naturerlebnis mit Hüttenzauber auf Alexander von Humboldts Spuren und Gemütlichkeit wie eh und je. In Pensionen, Gasthöfen und Hotels ist hier jeder Gast noch ein König.

Meine erste Reisereportage über das Tiroler Stubaital machte ich vor 30 Jahren, meine letzte vor 15 Jahren.
Dazwischen hatte sich schon ­einiges geändert. Aus der alten Stubaier Gletscherbahn war eine moderne Gondelbahn geworden, aus Doppel-Sessel­liften wurden Sechser- und ­Achter-Lifte oder ­Kabinenbergbahnen, aus unzeitgemäßen Gipfelstationen futuristische Raumstationen mit Panorama-Restaurants. Als ich jetzt erneut mit meiner Angetrauten zum Stubaital aufbreche, habe ich irgendwie die Vorstellung von Hotelpalästen, Nobelboutiquen und internationalem Jetset-Rummel. So wie ich es von anderen österreichischen Top-Wintersportorten kenne. Umso größer ist die Überraschung, als wir kurz hinter der Europabrücke von der Brennerautobahn ins Stubaital abbiegen. Auf breitem Talboden und weiten Hängen ducken sich die uns schon vertrauten Ferienorte im frisch gefallenen Schnee. Gesäumt von 80 funkelnden Gletschern und 109 Dreitausendergipfeln. Aber keine Hotelpaläste. Die schmucken Tiroler Häuser mit schönen Holzgiebeln sind noch dieselben wie vor 15 Jahren!

Den Anfang der Ferienorte macht Schönberg am Eingang des 35 Kilometer langen Tales. Malerisch nimmt sich der kleine Ort gegen die mächtige Kulisse der nördlichen Karwendel­kette aus. Mit dem Motto „Urlaub für Genießer“ hat sich Schönberg vor ­allem auf die Best Ager spezialisiert. In gemütlichen Gasthöfen und Pensionen spürt jeder Gast, dass er hier König ist. Zwar liegen die Skigebiete Hochserles und Schlick nahebei, doch mit den ersten morgendlichen Bergfahrten ­ihrer Seil- und Kabinenbahnen verlieren sich die Pisten-Freaks. Zurück bleiben dörfliche Idylle und herrliche, von Schnee geräumte Wanderwege. Vorerst jedoch lassen wir Schönberg und die nächsten Orte rechts liegen und erreichen unser Ferienziel Neustift. Hier haben wir uns im Jagdhof einquartiert: einem 5-Sterne-Spa-Hotel mit allem Luxus fürs leibliche und genüssliche Wohl seiner Gäste. Nachdem wir uns in unserer Suite mit ihrem ­behaglichen Tiroler Flair eingerichtet und im komfortablen Bad erfrischt haben, drängt meine Süße auch schon zur ersten Erkundungstour: zum Elfer! Der 2.505 Meter hohe Hausberg von Neustift ist bis auf 1.800 Meter Höhe mit einer Achter-Gondelbahn, das Skigebiet bis zum Panorama-Restaurant Elferhütte (2.080 m) mit den Elferliften erschlossen. Geübte Skifahrer können sich auf drei mittelschweren Pisten austoben. Anfänger fühlen sich auf der leichten Höllental-Abfahrt sicher. Es gibt drei Schlepplifte, eine Einseil-Umlaufbahn und einen Funpark für Snowboarder. Zwei Naturrodelbahnen bieten Spaß für alle Nicht-Skifahrer.

Jutta und ich gehören zur letzteren Kategorie. An der Talstation der Elfergondelbahn im Ort mieten wir zwei Rodel. Oben auf der ­Bergstation entscheiden wir uns für die Partie durchs Pinnistal bis hinunter nach Neder, einem Ortsteil von Neustift – mit 8,5 Kilometern eine der längsten Rodelbahnen Tirols. Wir kommen in Fahrt und ich höre, wie meine Frau vor Begeisterung jauchzt. Wie kann man in unseren Jahren noch so kindisch sein, denke ich. Doch mit zunehmendem Tempo kann auch ich meine Freude nicht länger zurückhalten. Allerdings klingt es bei mir eher wie das Krächzen einer Bergdohle. Wieder zum Hotel zurückgekehrt, ist Genuss im feinen À-la-carte-Restaurant Hubertusstube angesagt: bei zartem Bergwiesenlammbraten und einem edlen Roten aus dem Burgenland. Die klare Winterluft auf dem Elfer, das delikate Lammgericht und die zwei, drei Glaserl 2011er Zweigelt Classic verfehlen nicht ihre Wirkung: Kaum sind wir im breiten Kuschelbett unseres behaglichen Doppelzimmers gelandet, sinken wir in den Schlaf. Im Gegensatz zu meinen früheren Reportagen, die unter großem Termindruck entstanden, gehen wir es diesmal gemächlicher an. Morgens lassen wir uns Zeit fürs opulente Frühstück vom reichhaltigen Büfett. Dann nehmen wir uns Tag für Tag ein anderes Ziel vor. Bei vier Top-Skigebieten mit insgesamt 150 Pistenkilometern und den sportlichen wie auch vergnüg­lichen Freizeitangeboten den idealen Ferienort zu wählen, fällt vor allem aktiven Urlaubern nicht leicht.

Mit Schönberg teilen sich ­Fulpmes und Telfes die vorderen beiden Skigebiete. Von der Talstation der Kreuzjochbahn in Fulpmes geht es ins Skizentrum Schlick 2000. Zwei Gondel­bahnen, ein Vierer-Sessellift und sieben Schlepplifte bieten zügige Auf­stiege zu Abfahrten aller Schwierigkeitsgrade vom Kreuz- und Sennjoch (2.225 m) mit insgesamt 25 Pistenkilometern. Es gibt einen Funpark und ein separates Übungsgelände für Skizwergerl. In den gemütlichen Liegestühlen der Mittelstation Froneben holen sich ­Sonnenanbeter vor den Gipfelspitzen der Kalkkögel, Nordtiroler Dolomiten genannt, ihre Winterbräune. Urige Hütten und der Alpengasthof ­Schlickeralm laden zum Einkehrschwung auf g’schmackige Tiroler Spezialitäten. Wer Mieders zum Urlaubsort gewählt hat, kann sich am täglichen Anblick der Serles erfreuen. Natur­forscher Alexander von Humboldt (1769–1859) nannte den markanten, 2.717 Meter hohen Berg den „schönsten der Alpen“. Eine moderne Achter-Gondelbahn trägt Brettl-, Sonnen- und Natur­freunde hinauf ins Familienskigebiet der Serlesbahnen Mieders mit dem Berggasthof Koppeneck (1.630 m). Gut präparierte Pisten bieten Skifahrern und Snowboardern viel Platz. Langlauf-Fans und Freunde schöner Winterwanderungen freuen sich über schöne Höhenloipen, schneegeräumte Wege und den fantastischen Ausblick ins Stubaital.

Nicht nur die Nähe zum Stubaier Gletscher macht Neustift so beliebt. Die imposante Dorfkirche beherrscht das Bild des traditionsreichen Ski- und Bergsteigerortes. Die Gipfel von Elfer- und Zwölferspitze sind nicht nur imposante Kulisse: Sie dienen den Einheimischen seit jeher als Sonnenuhren und machen klar, dass Neustift mit der Natur ringsum im Einklang ist. Davon können auch wir uns bei unserer 18 Kilometer langen Wandertour vom Ortszentrum bis zur Mutterbergalm im Talschluss überzeugen. Vergnügt stapfen wir durch 70 Zentimeter hohen Schnee, stellenweise begleitet von Langläufern in der ­doppelt gespurten Tal-Loipe. Vom Tannenwaldsaum äugen Rehe herüber. Im Frost erstarrte Wasserfälle glitzern als Eisvorhänge oder riesige Eiszapfen an steil aufragenden Felswänden. Wie vor 15 Jahren unter­brechen wir beim Gleinser Florian in Milders die Wandertour für eine romantische Pferdeschlittenfahrt. Über die verträumten Siedlungen Schaller und Krößbach geht es nach Falbeson.

Einkehr im typisch tirolerischen Gasthof Doadleralm

Einkehr im typisch tirolerischen Gasthof Doadleralm – auf einen ofen­warmen Apfelstrudel zum heißen ­Latte macchiato. Aufgewärmt setzen wir unsere Tour wieder zu Fuß fort und erreichen nach weiteren acht Kilometern die Tal­station der Stubaier Gletscherbahn. 26 Seilbahn- und Liftanlagen erschließen mit 700 Hektar Gesamtfläche, drei Firnfeldern und 110 Pistenkilometern Österreichs größtes Gletscherski­gebiet. Zwischen der Mutterbergalm (1.750 m) und der gleißenden Welt des ewigen Eises (3.210 m) ist von Oktober bis Juni Schneesicherheit garantiert. Mit dem Umbau der Bergstation Eisgrat und der neuen Berggastronomie Schaufelspitz, einem Bedienungsrestaurant mit österreichischer ­Küche, Zirbenstube, Weinschrank und ­Kamin, wurden neue Maß­stäbe an Servicequalität gesetzt. Neuer Szene-Treff auf dem Gletscher ist die Café-Bar Zum Steinbock. Die bisherige Vierer-Sesselbahn Rotadl wurde durch eine Mega-Achtersesselbahn mit Sitzheizung, Wetterschutzhauben und einer Beförderungskapa-zität von stündlich 3.000 Personen ersetzt. Neu ist auch die schwarze ­Piste Daunhill – mit 60 % Neigung! – für Ski-Asse. Es gibt eine Komfort-­Piste für Familien und 50-plus-Ski­fahrer und das BIG Family Ski-Camp mit Zwergerl-Skikursen und professioneller Kinderbetreuung. Im Snowpark Moreboards Stubai Zoo trifft sich die Snowboard- und Free-Ski-Community und zeigt im täglich frisch geshapten Park ihre spektakulären Stunts.

Der ultimative Kick für Schwindelfreie ist die Aussichtsplattform Top of Tyrol, die sich in 3.210 Metern Höhe vor dem Gipfelrestaurant Jochdohle über den Rand des Gletschers erstreckt und einen 360-Grad-Blick von den 109 Dreitausendergipfeln ringsum bis zu den Zillertaler und Ötztaler Alpen bietet. Ein wenig neidisch schauen mein Schatz und ich dem Pistenzirkus der jungen, sportlichen Freaks zu. Und ­ihrem ausgelassenen Treiben an den Skibars, das sich Nacht für Nacht in den Discos der Ferienorte fortsetzt. Wir erfreuen uns mehr an gemüt­lichen Stunden in urigen Skihütten bei deftigen Brettljausen, Tiroler Speckknödeln, süßen Palatschinken (Eieromeletts) oder Kaiserschmarrn. Vor ­allem aber genießen wir die Vorzüge unseres 5-Sterne-Spa-Hotels Jagdhof mit dem über 2.000 Quadratmeter ­großen Wellnessbereich seiner Vital­welt und den delikaten Gourmet-Kreationen von Küchenchef Thomas Strasser. Und verkosten manchen feinen Tropfen aus dem hauseigenen Weinkeller, in dem rund 20.000 ­Flaschen mit ausgesuchten Raritäten aus aller Welt lagern. So hat das Stubaital für jeden Geschmack und jedes Alter halt seinen Winterzauber.

INFORMATIONEN ZU STUBAITAL

Wintersaison: Oktober bis April. Am Stubaier Gletscher reicht die Skisaison mit Schneegarantie sogar bis in den Juni hinein.

Zeitzone: MEZ.

Sprache: Deutsch.

Geld: Euro, EC- u. Kreditkarten werden akzeptiert.

Gesundheit: Gute ärztliche Versorgung in Praxen von Neustift, Fulpmes und Mieders; (Unfall-) Krankenhaus in Innsbruck. Eine Auslandskrankenversicherung wird empfohlen.

Essen & Trinken: Top-Adresse für Ziegenkäse-Feinschmecker ist die „Goaßkas-Liesl“ (Elisabeth Span) vom Kratzerhof in Neustift-Neder. In ihrem Hofladen bietet sie 50 Ziegenkäse-Kreationen an (u. a. Drei-Kräuter-Bergkäse, Camembert mit geröstetem Hanfsamen, Bierkäse mit grünem Pfeffer, Asche-Kaserl mit Cognac).

Restaurants: „Hubertusstube” im Hotel Jagdhof Neustift: Bio-Milchkalbsfilet im Liebstöckelmantel  mit Knollensellerie, Rispentomaten und Artischocken. Gasthof „Gröbenhof“ (Fulpmes): Rehragout mit Pilzen, Kohlrabi in Rahm und Tiroler Spatzeln.

Unbedingt machen: Lohnend ist ein Besuch der spektakulären Nightshows auf der Mittelstation Schlick (20.30 Uhr) mit waghalsigen Stunts, Pistenraupen-Vorführungen, Feuerwerk. Termine beim Tourismusverband Stubai erfragen.

Unbedingt vermeiden: Auf der Elfer-Rodelbahn (Klein-)Kinder vorneweg fahren lassen. Sie können die Geschwindigkeiten noch nicht richtig einschätzen und sich verletzen.

Manfred Reher

Fotos: Tourismus-Verband Stubai Tirol

07. September 2016

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