Europa | Griechenland

Griechische Geschichte pur am PELOPONNES

Der Weg ist weit. Aber er lohnt sich. Wer auf der Suche nach Ruhe und Entschleunigung ist, wird in einer luxuriös restaurierten Burganlage fündig.

 

Felsen von Monemvasia (Foto: visitgreece)

Der Felsen von Monemvasia liegt fernab der Touristenpfade, an der südlichsten Spitze des östlichen Fingers des Peloponnes. Um dorthin zu gelangen, müssen wir uns von Athen aus noch vier Stunden ins Auto setzen. Tourismusfreundliche Regionalflughäfen gibt es in der Region Lakonien nicht.

Als Route wählen wir erst den Weg über eine gut ausgebaute, mautpflichtige Autobahn, später über kurvige, einspurige Straßen. Eine atemberaubende Landschaft zieht an uns vorüber. Küste und Meer, die felsigen Berge Attikas, Hänge voller Olivenbäume. Wir überqueren den Kanal von Korinth, sind nun auf dem Peloponnes, fahren vorbei an Tripoli, durch die geschichtsträchtige Stadt Sparta, in der Antike Hauptort der Landschaft Lakonien. Die hohen Berge des Taygetos grüßen herüber. 

Der Blick schweift über grüne Hügel zum tiefblauen Meer

Nach insgesamt etwa 300 Kilometern haben wir unser Ziel fast erreicht. Imposant ragt der Felsen von Monemvasia aus dem Meer. Und nur noch einen Steinwurf entfernt, versteckt in den Bergen oberhalb des Dorfes Agios Stefanos, liegt es: das Kinsterna. 

Als wir auf der Terrasse ankommen, sind alle Strapazen der Anreise sofort vergessen. Unser Blick schweift über grüne Hügel hinüber zum türkisblauen Meer. Eine leichte Brise weht. Wir spüren sofort: Hier werden wir in den nächsten zehn Tagen eine Ruhe erfahren, die es nur an wenigen Orten der Welt noch gibt. 

 

Ein beeindruckender und zauberhafter Ort

Wir befinden uns in einem zum Luxushotel umgebauten, historischen Landgut aus dem 13. Jahrhundert. Inmitten 15 Hektar Land. Eine fruchtbare Gegend mit Oliven- und Zitronenhainen, Orangenplantagen, Weinbergen und malerischen Zypressen- und Eukalyptus-Alleen. Hier scheint die Zeit stillzustehen. Der Vergleich mit dem Garten Eden drängt sich auf. 

Die britische Tageszeitung „The Guardian“ hatte unlängst vor diesem Hotel gewarnt: Einmal eingecheckt, will man das weitläufige Gelände gar nicht mehr verlassen … 

So geht es auch uns, als wir am nächsten Morgen die Augen öffnen. Den Felsen von Monemvasia besichtigen? Nicht heute. Sieht man schließlich auch von der Hotelterrasse aus. Das Städtchen? Morgen vielleicht. Der Fjord von Gerakas? Irgendwann. Der Traumstrand von Elafonissos? Vielleicht übermorgen. Antonis Sgardelis (63), Eigentümer des -Hotels, lacht: „So geht es vielen meiner Gäste …“

Mit einem Glas Malvasia vom gutseigenen Weinberg in der Hand kann man zwischen antiken Säulen rund um das alte Wasserreservoir sitzen und die Ziele der Umgebung schnell vergessen. Kinsterna bedeutet Zisterne, und das Wasser machte den Landsitz schon immer von der Außenwelt unabhängig. Und so ist es auch heute. Man muss das Kinsterna nicht wirklich verlassen – eine herrliche Erfahrung! Ich spüre: Das ist die viel besagte Entschleunigung, die sich gerade bei uns breit macht.

Das luxuriöse Anwesen bietet 41 Zimmer und Suiten, manche davon in byzantinischen Rundgewölben mit Jahrhunderte alten Feuerstellen. Überall alter Baumbestand, mediterrane Blütenpracht. Und der Hauptpool ist ein -echtes Unikat. Wie ein Flusslauf durchzieht er den ehemaligen Obstgarten. Eine äußerst ungewöhnliche Form.

„Ich habe in anderen Hotelanlagen beobachtet, wie uralte Bäume aus dem Boden gerissen wurden, nur weil man einen großen Pool bauen wollte“, erklärt Antonis Sgardelis. „Man hat die Bäume in Kübel gepflanzt und anschließend auf Rollwagen wieder an den fertiggestellten Pool herangefahren. Das finde ich absurd. Auf Kinsterna haben wir alle alten Orangenbäume und Zypressen an ihrem angestammten Ort gelassen und den Pool einfach drumherum gebaut.“

Die Entdeckung des damals allmählich verfallenden Landguts durch Antonis Sgardelis war ein Glücksfall. Der gelernte Ingenieur, der in der Region aufgewachsen ist und bereits einige Erfahrungen mit der Renovierung alter Bauten hatte, war zu Beginn des Jahrtausends auf der Suche nach einem Alterssitz. 2003 erfuhr er, dass das berühmte Anwesen der Familie Kapitsini, auf dem bis in die 70er Jahre hinein rauschende Jet Set-Partys mit illustren Gästen gefeiert wurden, zum Verkauf stand.

Mit einem Investment von über 14 Millionen Euro hauchte Sgardelis dem Landsitz neues Leben ein. Drei Jahre lang wurde restauriert und neu gebaut. 2010 fand die Eröffnung statt, gerade als die griechische Wirtschaft ihren Absturz erlebte. Und angesichts der wirtschaftlichen -Krise mutete die Eröffnung eines Fünf-Sterne-Hotels recht unpassend an.

Doch die Sorge der Einheimischen, dass ihre Region mit der Hotel-Eröffnung inter-nationalen Milliardären anheimfallen könnte, die in ihren Helikoptern einfliegen und mit dicken Cohibas in den Hafencafés von Monemvasia sitzen -würden, erwies sich als unbegründet. Davon wollen wir uns überzeugen und besuchen die Felsenstadt Monemvasia. 

Zunächst betrachten wir den riesigen Steinbrocken aus der Distanz, sitzen in einer Hafentaverne mit einem Glas Weißwein und einem Teller Mese – diesen köstlichen gemischten Vorspeisen – und schauen hinüber. Eindrucksvoll ragt der Felsen wie ein steinernes Schiff bis zu 300 Meter hoch aus den Wellen der Myr-toischen See. Oben auf dem Hochplateau stehen die Ruinen einer mächtigen Zitadelle. Und an die steile östliche Felswand des 1,8 Kilometer langen Brockens kauert sich eine kleine mittelalterliche Stadt mit engen Gassen und einem bunten Stilmix aus osmanischen und venezianischen Häusern.

Hier sollen zur Blütezeit von Monemvasia im 17. Jahrhundert bis zu 40.000 Menschen gelebt haben. Osmanen, Normannen, Päpste und Piraten – sie alle haben im Verlauf der letzten Jahrhunderte versucht, diesen strategisch so wichtigen, auf dem Seeweg von Venedig nach Byzanz gelegenen Felsbrocken zu erobern. Vergeblich. Es gab nur einen Eingang – auf Griechisch „moni emvassi“ – in die Inselfestung. Und der war gut bewacht.

Heute sollen es nur noch zehn oder 20 Menschen sein, die dauerhaft dort wohnen. Die meisten alten Gebäude sind nur noch eine pittoreske Hülle für Dutzende Cafés, Restaurants, oder Hotels. Aber: Keine Spur von Jet Set! 

In Monemvasia treffen wir zufällig Diamantis, der als Kellner im Kinsterna arbeitet. Er sagt, die Bewohner des Ortes seien heute richtig froh, dass solch ein architektonisches Juwel wie das Landgut nicht weiter dem Verfall preisgegeben wurde und Antonis Sgardelis damit viele Arbeitsplätze geschaffen hat. Dia-mantis: „Ich habe echt gestaunt, als ich das Hotel zum ersten Mal von innen sah. Wir hier unten im Dorf kommen ja sonst nie dorthin … Es sei denn, wir haben einen Job im Service.“ 

Gemeinsam mit Diamantis machen wir uns auf den Rückweg zu „unserer“ Burg. Ihre Schönheit und die Ruhe, die sie ausstrahlt, ist einfach zu verlockend. Ja, dieses alte byzantinische Herrenhaus lohnt den Besuch. Mag die Anreise auch noch so weit sein…

 

Ela Hartmann

 

Fotos: visitgreece

06. März 2017

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