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Genussurlaub in den Kitzbühler Alpen WILDSCHÖNAU

Der Bergsommer ruft. Das romantische Tiroler Hochtal lädt zu genussvollen Streifzügen durch die wunderschöne Natur ein, auf denen man echte Originale trifft.

Wildschönau Tourismus

Frühes Aufstehen lohnt sich. Besonders in der Wildschönau. Denn hier servieren Robin Silberberger und seine Frau Kristel ihr leckeres Almfrühstück mit Rührei aus der Gusspfanne, frisch gebackenem Brot, selbst gemachter Marmelade, Schinken, Butter und Käse aus heimischer Produktion.

Etwa anderthalb Stunden dauert der Marsch vom Tal hinauf zur Farnkaseralm in 1.520 Meter Höhe, wo die beiden gemeinsam mit ihren Töchtern Elisa (6) und Eva (8) sowie 100 Kühen den Sommer verbringen. Die Farnkaseralm ist nur zu Fuß erreichbar und liegt auf einer der zahlreichen Genussrouten, die sich quer durch das Tiroler Hochtal schlängeln …

Wildschönau Tourismus

Zu den beliebtesten Bergen des Ferienparadieses, das nur etwa 20 Kilometer Luftlinie von Kitzbühel entfernt liegt, zählen der Grosse Beil, mit 2.309 Meter der höchste Gipfel im Hochtal, der Gratlspitz oder auch der Familienberg Kragenjoch. Und unterwegs zu den Gipfel­erlebnissen laden insgesamt 46 bewirtschaftete Almen zur gemütlichen Einkehr ein.

Für alle, die es gern etwas entspannter angehen: „Liftleichtes Wandern“ garantieren die Schatzberg- und Markbachgondelbahn, die den Wanderer bequem nach oben befördern.

Recht leicht zu erreichen ist auch der Salcher­hof, der auf einem Hochplateau über dem Kirchdorf Auffach liegt. Hier im ­Garten von Birgit Haas gedeihen auf über 700 Quadrat­metern rund 30 heimische Kräutersorten. Die Expertin weiß genau, welches Kraut gegen ­welches Leiden gewachsen ist und wie man wohltuende Salben und Tees herstellt. Das zeigt und erklärt sie auf regelmäßigen Führungen, bei denen sie anschließend zur Verkostung in ihr Hexenkammerl lädt.

Die Gastgeber in der Wildschönau setzen alles auf eine Karte

Wildschönau Tourismus

Ob zum Frühstücks-Senner oder zur Kräuter-Hexe – alle Genussrouten der Wildschönau sind einfache Touren, die durch eine traum­hafte Berglandschaft zu lohnenden Zielen führen.

Wer lieber in Begleitung wandert, sucht sich aus dem Wanderprogramm (Montag bis Freitag) seine persönliche Lieblingsroute aus und schließt sich erfahrenen Guides an, die das charmante Hochtal mindestens genauso gut kennen wie ihre Westentasche.

Das geführte Wanderprogramm hält Touren verschiedenster Schwierigkeitsgrade bereit. Mit der Wildschönau GästeErlebnis Card sind die geführten Touren übrigens kostenlos.

Überhaupt ist diese Karte eine super Sache. Zum Cappuccino-Trinken mal eben mit der Bergbahn rauf auf den Schatzberg, aus knapp 1.900 Metern Höhe die herrliche Aussicht genießen, anschließend wieder ins Tal zurück gondeln – gratis und so oft es einem gefällt! Die Wildschönau GästeErlebnis Card macht es möglich.

S eilbahn-Wanderer lassen den Geldbeutel stecken und ziehen stattdessen den Barcode der Wildschönau GästeErlebnis Card über den Scanner. „Alles ganz modern“, sagt Tourismusdirektor Thomas Lerch, der besonders die Gondelfahrt auf den Schatzberg empfiehlt. „Die Aussicht über unser Tiroler Hochtal und die Kitzbüheler Alpen ist einfach gigantisch.“

Wer mag, begibt sich auf den vier Kilometer langen Panoramaweg, der über den Hahnkopfsattel rund um den Schatzberggipfel und zurück zur Bergstation führt, wo sich die Gondeln bereits zur Rückfahrt anbieten. Oder doch lieber kurz in der Schatzbergalm einkehren, bevor es wieder ins Tal geht?

„Jeder unserer Gäste bekommt bereits ab der ersten Übernachtung die Card geschenkt. Es entstehen keine weiteren Kosten“, sagt Thomas Lerch. Das handliche Stück Plastik im Scheckkartenformat ist die Lizenz zum All-Inclusive-Urlaub, beschert dem Inhaber eine Viel­zahl an Gratisleistungen und Vergünstigungen. Neben den erwähnten Bergbahnfahrten – auch am Wiedersbergerhorn und Reither Kogel im benachbarten Alpbachtal – sowie geführten ­Wanderungen ermöglicht die Wildschönau GästeErlebnis Card beispielsweise den Besuch im Bergbauernmuseum z’Bach zum Nulltarif.

Es ist eine spannende Zeitreise. Der Hof aus dem Jahr 1795 war noch bis 1995 bewirt­schaftet und eröffnet mit 1.200 Exponaten und jeder Menge Liebe zum Detail Einblicke in das Leben der Wildschönauer Bergbauern – gestern und heute.

Vom 21. Mai bis 8. Oktober lassen sich jeden Donnerstag ab 12 Uhr mehr als 20 Handwerker über die Schultern schauen – beim Spinnen, Korbflechten, Filzen, Drechseln, Trachtensticken und Glasmalen, während in der Museums-Küche bereits die Schmalznudeln duften – eine traditionelle Wildschönauer Spezialität aus ­Hefeteig, die wahlweise mit Sauerkraut oder Preiselbeeren gegessen wird.

Mit der Urlaubskarte ist übrigens auch der Eintritt in das Schaubergwerk Lehenlahn inkludiert, das in die Geschichte des Silber- und Kupferabbaus entführt. Speziell für kleine Besucher gibt es hier einen Märchenstollen, der ganz im Zeichen der schaurig-schönen Geschichten steht.

Im Drachenclub erleben die Kids jeden Tag ein neues Abenteuer

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Dass die Wildschönau auch für junge Urlaubsgäste ein echtes Traumziel ist, dafür sorgt nicht zuletzt der „Drachenclub“. Brotbacken auf dem Bauernhof, Schatzsuche am Schatzberg, eine Holzhütte und Staudämme in der Wildnis bauen – all das und noch viel mehr steht im Drachenclub vom 13. Juli bis 11. September 2015 (jeweils montags bis freitags) für Kinder zwischen 5 und 14 auf dem Ferienprogramm.

Und so könnte ein typischer Tag im Club aussehen: Los geht es mit der nostalgischen Bummelbahn. Bitte einsteigen! Ein tolles Erlebnis: Gemächlich setzt sie sich in Bewegung und bringt die Kids rauf zur Schönanger Alm.

Zunächst wird an der Wildschönauer Ache das professionelle Equipment für das Goldwaschen ausgepackt. Mit Hosentaschen voller Nuggets wandern die jungen Glücksritter dann anschließend zu Käse-König Johann, der sich in seiner Schaukäserei bereitwillig wie ein ­Tilsiter mit Fragen löchern lässt.

Ja, er ist schon ein echter Typ, dieser ­Johann Schönauer. Bei den Käse-Olympiaden in Galtür hat er schon so manche Goldmedaille gewonnen. Und oben auf der Alm verrät er das Geheimnis seines Erfolgs: „Ich liebe den Käse, und der Käse liebt mich.“ Darüber können die jungen Besucher dann bei einem Picknick nachdenken, bevor es am Nachmittag wieder zurück ins Tal geht.

Der Name Drachenclub leitet sich übrigens vom Wappentier der Wildschönau ab, das die Besiedlung des Hochtals überhaupt erst möglich machte. Denn zu Zeiten des Urmeeres war hier nur Wasser – bis der Drache einmal ­wütend mit seinem Schwanz um sich schlug. Der Fels zerbarst, und das Wasser konnte abfließen.

So entstand der Sage nach mit der Kundler Klamm, die Wildschönau dem Inntal, verbindet, eine der schönsten Naturschluchten. Entlang der Wildschönauer Ache führt ein bequemer Wanderweg hindurch. Immer wieder laden zahlreiche Plätze zum Spielen und Verweilen am kühlen Wasser ein.

Krautinger ist kein Schnaps – Er ist Medizin

Wildschönau Tourismus

Wer allerdings zu den wahren Wildschönauer Wurzeln vordringen will, kommt am Krautingerschnaps nicht vorbei. Und der hat folgenden geschichtlichen Hintergrund: Sie waren wirklich arm, die Bauern der Wildschönau, die in dem abgeschiedenen Hochtal der Kitz­büheler ­Alpen ihr ­karges Dasein fristeten. Sogar ­Kaiserin Maria Theresia empfand Mitleid mit ihnen und erlaubte den Bauern ­Mitte des 18. Jahrhunderts als einzigen ­Untertanen im Reich, aus der weißen Stoppelrübe Schnaps zu brennen. Von da an kam die Krautingerrübe nicht mehr nur als typisches Arme-Leute-Essen auf den Tisch, sondern ­erwärmte auch als Getränk zunehmend die Gemüter.

Längst ist der Krautinger, der bis heute ausschließlich in der Wild­schönau gebrannt werden darf, ein Hit: Er ließ das urige Hochtal zur Tiroler Genussregion avancieren. Und konsequenterweise ist ihm inzwischen eine eigene Festwoche gewidmet, bei der auch die lange Zeit verkannte weiße Rübe an sich für über­raschende ­Gaumenfreuden sorgt.

Für Josef Thaler vom Steinerhof, dem größten der insgesamt 15 Krautingerbrenner, ist der Rübenschnaps mehr als nur Alkohol: „Er ist Medizin, von der die Wildschönauer früher pro Haushalt nur einen Liter brauchten, um gut durchs Jahr zu kommen.“

Bei der Verdauung soll der Krautinger helfen. Wie jeder Schnaps, der nach einem schweren Essen ein gutes Gefühl vermittelt. „Aber auch Leute mit ernsten Erkrankungen schwören drauf – und kommen jedes Jahr wieder, um ein paar Flaschen zu kaufen“, erzählt Josef Thaler. „Man kann’s ja manchmal selbst nicht glauben …“

Wie auch immer: Der Krautinger gehört zur Wildschönau wie das Kreuz zum Gipfel. Wer sich durch die unterschiedlichen Geschmacksnuancen testen und zugleich einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte, hat bei der Krautingerwoche vom 2. bis 11. Oktober 2015 die beste Gelegenheit dazu.

Der höchstgelegene Ort der Wildschönau heißt übrigens Thierbach. Hier gibt es lediglich zwei Gasthäuser und eine Kirche, ein Dutzend Bauernhöfe und eine der kleinsten Schulen ­Österreichs mit zwölf Schülern. 160 Einwohner zählt das Dorf. Und doppelt so viele Kühe.

Thierbach ist ein Rückzugsort. ­Heute wie schon vor 200 Jahren. Anfang des 19. Jahrhunderts waren es aller­dings die Getreuen des Freiheitskämpfers Andreas Hofer, die im ­abgelegensten Kirchdorf der Wildschönau ihre letzten Kräfte gegen Napoleon und die Bayern mobilisierten. An einem schwarzen Klapptisch beim „Sollererwirt“ verfasste Hofers Kampfgenosse Josef Speckbacher 1809 seinen verzweifelten Aufruf an die Bauern, Widerstand zu leisten und sich zur Wehrtruppe der „Sturm­löda“ zusammenzuschließen: „Wer kein Schießgewehr hat, möge Spieße oder Mist­gabeln an lange Stangen machen!“.

Während es damals um die Vertei­digung der Heimat ging, zieht es ­Urlauber heute wegen der Ruhe und Idylle in den abgeschiedenen Winkel der Wildschönau, der mit einer Landschaft wie aus dem Bilderbuch beeindruckt. Es scheint, als sei hier die Zeit stehen ­geblieben. Denn einiges hat sich nicht geändert.

Im Gasthaus „Sollererwirt“ sitzt man noch immer in der historischen Speckbacherstube und trifft dann und wann sogar auf die Nachfahren der „Sturmlöda“, die allerdings nur noch in friedlicher Mission ausrücken. Bei Tal­festen und Prozessionen sind sie mit roter Weste, braunem Mantel, Filzhut und „Gewehr-Ersatz“ ausgerüstet – und unschwer zu übersehen …

INFORMATIONEN ZU WILDSCHÖNAU

© lesniewski / Fotolia

Beste Reisezeit:
Ganzjährig. Die Monate Mai bis September eignen sich zum Wandern und Radfahren. Wintersportsaison ist von Dezember bis April.

Klima:
Heiße Sommer, kalte Winter. Tirol zählt zu den sonnigsten Regionen Österreichs.

Geld:
Euro. EC- und gängige Kreditkarten werden nahezu überall akzeptiert.

Gesundheit:
Gute ärztliche Versorgung ist garantiert. 

Essen & Trinken:
Die wohl bekannteste Rübe Österreichs, die „Krautinger-Rübe“, wird zweimal im Jahr geerntet – zu Schnaps destilliert oder zu leckeren Gerichten (z.B. Suppe) verarbeitet. Viele Produkte kommen frisch vom Hof, z.B. Brot aus dem Holzofen, Milchprodukte (Bergkäse, Topfen und Butter) und frisches Gemüse. Zu den regionalen Spezialitäten gehören Brezensuppe und Tiroler Schmalznudeln (Nudeln aus Germteig, pikant mit Kraut oder süß mit Preiselbeeren). Apfelstrudel oder Moosbeernocken werden zum Nachtisch angeboten.

Restaurants:
Tiroler Spezialitäten wie Brezensuppe und Käsespätzl gibt es im urigen Gasthaus Thalmühle.

Sehenswert:
Vier Orte gibt es zu erkunden. Niederau: Pfarrkirche und Markbachjoch; Oberau-Mühltal: Bergbauern­museum z‘Bach und Kundler Klamm; Auffach: 1. Tiroler Holz-Museum; Thierbach: idyllisches Bergdorf mit 160 Einwohnern.

Beliebte Mitbringsel:
Krautinger Rübenschnaps, Tiroler Speck, Bergkäse,  Almkräuter und Holzsouvenirs.

Auskünfte:
www.wildschoenau.com.

Raimond Ahlborn

Fotos: Wildschönau Tourismus

04. August 2016

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