Afrika

Weinprobe am Kap der guten Hoffnung SÜDAFRIKA

Napoleon konnte vom Dessertwein aus Constantia nicht genug bekommen. Heute boomt der Weintourismus 
in der südwestlichen Kapregion, wo raffinierte und komplexe Tropfen von Weltruf kreiert werden.

Weingut am Kap (© Foto: South African Tourism Board, City of Capetown)

Ob der Niederländer Jan van Riebeeck damals, als er im April 1652 mit drei Schiffen beim Kap der Guten Hoffnung anlegte, wohl gleich daran dachte, diesen Flecken Erde mit Rebstöcken zu bepflanzen? Der Arzt und Kaufmann war im Auftrag der weltweit agierenden Vereenigde Oost-Indische Compagnie nach Südafrika gereist. Er sollte dort eine holländische Kolonie gründen. Und sein erster Stützpunkt: das heutige Kapstadt.

Aus Riebeecks Aufzeichnungen von 1659 geht hervor, dass knapp sieben Jahre nach seiner Ankunft der erste Wein verkostet wurde: „Heute, Gott sei Lob und Dank, wurde zum ersten Male Wein aus den Trauben am Kap gepresst.“ Riebeecks Nachfolger, Simon van der Stel, gründete das Weingut Constantia und 1697 dann auch den Ort Stellenbosch, der heute als das Zentrum des südafrikanischen Weinbaus gilt.

Constantia wurde bald in mehrere kleinere Farmen aufgeteilt. Das weltbekannte Weingut Groot Constantia, das auf der Kap-Halbinsel liegt, besteht seit 1685. Und wie wir wissen, soll schon Napoleon ein überaus eifriger Konsument des dort hergestellten Dessertweins gewesen sein...

Der kühle Benguela-Strom sorgt 
für mediterranes Klima

Constantia ist eines der wichtigsten Anbaugebiete des Landes. Der Distrikt liegt am südlichen Fuß des Tafelberges und weist ein vergleichsweise kühles Klima auf. Vor allem weiße Reben wie Sauvignon Blanc gedeihen hier. Südafrikas Weinlagen erstrecken sich allesamt in der südwestlichen Kapregion – auf insgesamt rund 100.000 Hektar Fläche. Einflüsse des indischen Ozeans und des Atlantik, gepaart mit fruchtbaren Böden und viel Sonne bieten perfekte Voraussetzungen für raffinierte, komplexe, elegante und fruchtige Weine – weiß wie rot.

Je nach Anbaugebiet – direkt am Ozean oder im Herzen der Winelands – dominieren verschiedene Komponenten. Wider Erwarten ist das Klima rund ums Kap gar nicht knallheiß, sondern eher mediterran, mit langen Sommern. Denn der Benguela-Strom im Atlantik wird aus der Antarktis gespeist und bringt kühlere Meeresströmungen vor die Südwestküste Afrikas.

Der Wein-Tourismus am Kap boomt. Was nicht verwundert. Malerische Gebirgszüge, liebliche Weinhänge, der Tafelberg, die wilden Klippen und sanften Strände am Ozean bilden eine bezaubernde Kulisse, um die Weine von Weltruf zu genießen. Viele Weinbetriebe bieten zudem mittlerweile spezielle Extras für Touristen an – Bergtouren, Safaris mit Verkostung oder Live-Musik-Abende.

Insgesamt zählt die südafrikanische Weinwirtschaft derzeit rund 3.500 Winzerbetriebe, von denen ca. 580 selbst Wein herstellen. Auf 17 verschiedenen Weinrouten können Besucher die edlen Tropfen kennenlernen. Mit dem Mietwagen auf eigene Faust – oder als Gesamt-Package, das von diversen Anbietern inklusive Unterkunft angeboten wird.

Eine der Weinrouten führt durch die Paarl-Region. Der Distrikt liegt rund 50 Kilometer von Kapstadt entfernt, am Fuße des Paarl-Felsens. Übersetzt bedeutet sein Name „Perle“. Denn der Granit schimmert nach einem Regenguss in der Sonne wie Perlmutt. In Paarl findet man u. a. die Rebsorten Cabernet Sauvignon, Pinotage und Chardonnay. Besonders bekannt ist der Shiraz aus diesem Gebiet.

Im Sommer bieten die Weingüter Picknicks für Gäste an

Auch die Weinbaugebiete Franschhoek, Simonsberg, Elim, Durbanville und Hermanus sind für Besucher interessant. Hinter-grund: Als die wegen ihres Glaubens verfolgten Hugenotten sich 1688 nahe des Kaps niederließen, brachten sie ihr Wissen über den Wein mit. Sie gründeten die Siedlung Franschhoek – zu Deutsch französiches Eck. Der Ort ist mit ca. 16.000 Einwohnern sehr viel kleiner als Stellenbosch und Paarl. Dennoch gilt er als Genussmeile der Region. Hier gibt es extrem viele Gourmet-Restaurants, u. a. das „Foliage“ in der Huguenot Road oder das „Le Bon Vivant“ in der Dirkie Uys Street.
Tipp: Eine Möglichkeit, das Franschhoek Valley kennenzulernen, ist die historische Wine Tram. Auf Schienen fahren Gäste damit ins Herz des Weingebietes.

Die größte Winzergenossenschaft Südafrikas ist die Kooperatiewe Wijnbouwers Vereeniging im Distrikt Paarl. Sie wurde 1918 gegründet und lohnt einen Besuch. Im haus-eigenen Sensorium können Besucher ihre Weine in einer Galerie 
mit Gemälden lokaler Künstler genießen. Einige der Weinbetriebe sind seit Generationen in Familienbesitz und noch immer in historischen Gutshäusern untergebracht.

Eines der bekanntesten ist das Weingut Fairview in Paarl. Auf der Farm wird neben Wein auch Ziegenkäse hergestellt. Die Ziegen sind das Maskottchen von Fairview und bei den jungen Besuchern sehr beliebt. Sie leben auf der Weide und in einem steinernen „goat tower“ mit Wendeltreppe.

Sehr idyllisch gelegen ist die Weinfarm Neethlingshof im Distrikt Stellenbosch, zwischen den Bottelary Hills und dem Pape-gaaiberg. Durch eine Pinienallee gelangt man zum Haupthaus, in dem ein hervorragendes Restaurant die Besucher erwartet.

Im Oktober, wenn der südafrikanische Sommer beginnt, bieten einige Weingüter Picknicks an. In der Delheim Wine Farm bei Stellenbosch z. B. genießen Gäste Köstlichkeiten im Freien mit Sicht auf den Simonsberg. Wer mit Kindern reist, ist in den Blaauwklippen Vineyards in Stellenbosch gut aufgehoben. Während die Erwachsenen einen Merlot oder Zinfandel genießen, vergnügen sich die Kids beim Ponyreiten. Unbedingt sehenswert: der sonntägliche Blaauwklippen Family Market.

Autor: Raimond Ahlborn

© Fotos: South African Tourism Board, City of Capetown

02. November 2017

Weitere Beiträge zu diesen Themen

Zurück

Weitere Artikel aus dem Bereich Afrika

Safaris mit Sinn SERENGETI

mehr lesen >>

Waschechte Löwen und bezaubernde Korallenriffs MAURITIUS

mehr lesen >>

Weinprobe am Kap der guten Hoffnung SÜDAFRIKA

mehr lesen >>

Ein Land so bunt wie ein Regenbogen SÜDAFRIKA

mehr lesen >>

Bezeichnung für Paradies mit zehn Buchstaben SEYCHELLEN

mehr lesen >>